Konzentrationsschwäche bei Kindern

Manche Kinder sind konzentriert bei der Sache, andere leicht ablenkbar oder verträumt. Welche Konzentrationsprobleme müssen behandelt werden, welche lassen sich mit kleinen Umstellungen im Alltag beheben?

Gehirnentwicklung des Kindes


Bereits in der dritten Schwangerschaftswoche beginnt die Gehirnentwicklung. Ein Neugeborenes hat bei seiner Geburt schon die gleiche Anzahl an Nervenzellen wie ein Erwachsener. Diese sind allerdings noch kaum mit anderen Neuronen vernetzt. Sowohl die neuronalen Verbindungen als auch die unterschiedlichen Gehirnteile reifen erst nach der Geburt. Dabei ist die Entwicklung des Gehirns von einer guten Versorgung mit Nährstoffen abhängig. Da das Gehirn hauptsächlich aus Fett besteht, spielen ungesättigte Fettsäuren wie beispielsweise die Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) vor und nach der Geburt eine wichtige Rolle.

Als Kind lernt man am schnellsten


In den ersten Lebensjahren wächst die Zahl der neuronalen Verbindungen gewaltig. Bei einem Dreijährigen ist die Anzahl der Synapsen doppelt so hoch wie bei einem Erwachsenen. Das Gehirn arbeitet jedoch erst dann schnell und effizient, wenn es seine Struktur vollständig entwickelt hat. Dazu verstärkt es häufig genutzte Nervenleitbahnen und baut selten genutzte ab. Trotzdem schafft die Ausbildung unzähliger, teils überflüssiger Leitbahnen in den ersten Lebensjahren die Voraussetzung für das schnelle Lernen im Kindesalter.

Ursachen für Konzentrationsprobleme bei Kindern


Kinder müssen Konzentration erst lernen. Sie können ihre Aufmerksamkeit noch nicht so gut fokussieren und sind schneller abgelenkt – beispielsweise von Lärm, einem Vogel vor dem Fenster, Spielzeug auf dem Arbeitstisch oder tobenden Geschwistern.

Zu einem Konzentrationsmangel führen auch:

  • Flüssigkeitsmangel
  • Schlafmangel
  • Überforderung
  • Manchmal Unterforderung
  • Reizüberflutung durch Computerspiele
  • Emotionale Probleme oder unverarbeitete Belastungen

Konzentrationsprobleme erkennen


Anzeichen für eine Konzentrationsschwäche bei Kindern ist eine leichte Ablenkbarkeit.

Außerdem kann sich folgendes bemerkbar machen:

  • Mangelnde Aufmerksamkeit im Unterricht
  • Probleme, sich auf die Hausaufgaben zu konzentrieren
  • Schwierigkeiten beim Zuhören
  • Vergesslichkeit und Zerstreutheit
  • Ein Mangel an Ausdauer und Motivation
  • Reizbarkeit und Ungeduld
  • Verträumtheit

Konzentrationsschwierigkeiten einordnen


Es ist in jedem Lebensalter normal, dass es mit der Konzentrationsfähigkeit manchmal besser und manchmal schlechter klappt. Kann sich das Kind ansonsten gut konzentrieren, hat es vielleicht einfach nur zu wenig getrunken oder es fehlt an Schlaf. Treten Konzentrationsprobleme über längere Zeit auf, sollte das Kind beim Spielen oder bei den Hausaufgaben genauer beobachtet und dabei auf die Uhr geschaut werden.

Kinder haben ein altersabhängiges Konzentrationsvermögen:

AlterKonzentrationsvermögen*
5-7 Jahreca. 15 Min.
7-10 Jahreca. 20 Min.
10-12 Jahreca. 20-25 Min.
12-14 Jahreca. 30 Min.
* https://lexikon.stangl.eu/6553/konzentrationsspanne/ (Abruf: 07.05.2019)

 

Es handelt sich hierbei um Richtwerte, jedes Kind ist anders und so können auch Konzentrationsspannen bei verschiedenen Aufgaben variieren. Ist das Kind über einen längeren Zeitraum unkonzentriert, schnell unaufmerksam oder immer leicht abzulenken, kann eine Konzentrationsschwäche vorliegen. Besteht der Verdacht einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), sollte der Kinderarzt hinzugezogen werden.

Wie lässt sich die Konzentration steigern?


Um die Konzentration von Kindern zu fördern, sollten sie sich oft an der frischen Luft bewegen. Das verbessert die Sauerstoffversorgung aller Organe. Allein das Gehirn braucht etwa 20 bis 25 Prozent des aufgenommenen Sauerstoffs für seine Arbeit. Bewegung fördert außerdem die Durchblutung und regt die Gehirnzellen an. Auch mit ausreichendem Schlaf lässt sich die Konzentrationsfähigkeit verbessern, ebenso mit genügend Ruhepausen.

Überforderung wirkt sich negativ aus. Eine kindgerechte Aufteilung von Lernen und Freizeit kann die Aufmerksamkeitsspanne erhöhen.

Die Ernährung spielt eine große Rolle, denn der Kalorienbedarf des Gehirns ist hoch. Oft lässt sich die Konzentration steigern, wenn Nährstoffbedarf und Flüssigkeitshaushalt stimmen. Kinder sollten ausreichend trinken und sich ausgewogen ernähren, damit dem Gehirn die notwendigen Arbeitsbausteine zur Verfügung stehen. Omega-3-Fettsäuren haben dabei eine große Bedeutung.

Ebenso wichtig ist eine liebevolle Umgebung für die emotionale Ausgeglichenheit des Kindes. Lob, Akzeptanz, Ermutigung und seelischer Rückhalt geben ihm Selbstvertrauen. Das fördert wiederum die schulischen Leistungen.

Reizüberflutung kann zu Konzentrationsproblemen führen. Durch einen begrenzten Medienkonsum, nicht zu laute Musik oder Lärmvermeidung lässt sich dieses Risiko senken.

Einfache Übungen helfen die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Beispielsweise wenn sich Eltern und Kind zusammen auf eine Wiese legen und gemeinsam den Vogelstimmen, dem Rauschen der Bäume oder dem Zirpen der Grillen lauschen. Das ist eine schöne Übung, die Konzentration zu trainieren und dem Kind Zeit zu schenken.